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Lernen von den Chinesen?
von norakanzler am: 13.08.2008, 15:11 Uhr

Selbst gegen Großveranstaltungen resistente Menschenwie ich waren von der Eröffnung der Olympischen Spiele in Peking beeindruckt. Das viel zitierte Vorurteil, Chinesen würden alles nur kopieren und selbst nichts zustande bringen, das Europäer gern herablassend vorbringen, sollte ein für allemal ausgeräumt werden - und das ist den Asiaten gelungen.

 Was bei der großen Eröffnungsshow mit 15.000 Akteuren positiv geglückt ist, schafft China übrigens auch als Negativbeispiel im Internet. Mit seiner "Great Firewall", dem ausgeklügelten Überwachungssystem, schlägt es alle Rekorde. Ein Spitzelapparat von 30.000 Internet-Polizisten überwacht das Netz in China und blockiert alle unerwünschten Begriffe.

 400 bis 500 zensierte Wörter gibt es allein für das Massaker am Platz des Himmlischen Friedens in Peking. 50.000 von 200.000 Webseiten, die US-Forscher in einer Feldstudie in China getestet haben, waren gesperrt. Gibt man zum Beispiel Tibet oder Taiwan in eine Suchmaschine ein, erhält man die Fehlermeldung "Ihre Verbindung wurde unterbrochen". Andere Anfragen werden einfach auf regierungsfreundliche Seiten umgeleitet.

 Auch Firmen wie Google oder Yahoo arbeiten mit der chinesischen Regierung Hand in Hand. Sie halten sich an die Zensurvorschriften und limitieren ihr Angebot freiwillig. Sonst hätten sie nie in den chinesischen Markt vordringen können. Und nicht nur internationale Firmen profitieren vom Internet in China, auch China profitiert international von seiner Zensur. Zumindest munkeln Insider, dass diese hoch entwickelte Technik zur Filterung bereits in einige Länder mit Erfolg verkauft wurde.

Bleibt also nur zu hoffen, dass man von dem olympischen Spektakel lernt, dass manche Urteile einfach Vorurteile sind und andererseits nicht von jenen Errungenschaften lernt, die Demokratie und Meinungsfreiheit untergraben.

Nora Kanzler

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