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Darf die Post meine Liebesbriefe lesen?
von norakanzler am: 21.11.2008, 14:01 Uhr

 Die Post ist derzeit in aller Munde. In unser westlichstes Nachbarland schaut bei den Problemen des heimischen Betriebs natürlich niemand. Dabei ist das, was die Schweizerische Post gerade plant, recht brisant. Das Internet-Postfach soll den Briefkasten vor der Haustür künftig ersetzen. Klingt praktisch, hat aber einen Haken: das Briefgeheimnis. Denn um den Menschen ihre Post (die ja auf Papier ins Unternehmen flattert) via Computer zustellen zu können, müssen die Postler jede einzelne Sendung öffnen, scannen und in die digitalen Briefkästen verteilen. 

Und so funktioniert's: Als Kunde bekommt man zuerst ein Bild des verschlossenen Briefes in den virtuellen Briefkasten zugestellt. Dann kann man entscheiden, ob man das Kuvert geöffnet und eingescannt haben will. Wenn der Inhalt einem zu privat oder heikel ist, kommt nach wie vor der Briefträger persönlich. Vorteil: Man kann seine Post von jedem Ort der Welt aus ansehen, egal ob man gerade auf Geschäftsreise oder Urlaub ist. 

In den USA gibt es das Modell schon: In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Earth Class Mail aus Seattle haben sich bereits Zehntausende Firmen und Privatpersonen einen digitalen Briefksten einrichten lassen. Dort landet jetzt alles, was sonst der Briefträger bringt: Postkarten, Werbesendungen, Rechnungen, aber auch Bankbelege und sogar Liebesbriefe. Earth Class Mail stellt zurzeit monatlich 250.000 Briefe elektronisch zu. Und nun wollen die Amerikaner ihre Technologie international verkaufen. 

Zukunftsmusik auch in Österreich? Schließlich will die Post ja sparen und langfristig könnte man mit dieser Methode bei der Haustür-Zustellung sparen. Der Brief-Konkurrent E-Mail hat ja in den letzten zehn Jahren schon zu massiven Einbrüchen bei der Post geführt. Der digitale Briefkasten wäre nur ein weiterer logischer Schritt in diese Richtung. Allerdings war die Post-Zustellung bisher für jeden gratis. Für das Einrichten eines Online-Postfaches fallen dann aber umgerechnet einmalig 20 Euro an. Und dann noch monatliche Kosten von bis zu 40 Euro - je nach Postaufkommen.  

Ob das neue Service daher in Anbetracht der Kosten und des möglichen Eingriffs in die Privatsphäre als Alternative für viele tatsächlich in Frage kommt, wird sich weisen. 

 

Nora Kanzler

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