26. Mai 2012 14:17 | |||||
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Sommer 2002, Universal Studios, Florida. Vor dem Kinosaal bekommt man die weniger modische, dafür aber umso effektivere 3D-Brille überreicht und verwandelt sich damit innert Sekunden in jemanden, der aussieht, als wollte er Kontakt mit Aliens aufnehmen.
Egal, rein in den Saal, gespanntes Warten. Und wir sollten nicht enttäuscht werden.
Mein erster 3D-Film war damals ein eigenes für die Filmstudios angefertigter 15-Minüter. Szenen von "Terminator" waren digitalisiert worden und ließen einen wirklich im Sessel zurückweichen. Da flogen den Zusehern Pistolenkugeln um die Ohren, metallische Spinnen griffen mit ihren langen Beinen nach einem und der Terminator stand plötzlich statt auf der Filmwand direkt vor uns. Furchterregend!
Mittlerweile greifen auch in Österreich Filmfreunde immer häufiger zur kultigen 3D-Brille. Die digitale Umrüstung ist in den großen
Kinos bereits abgeschlossen. Die Filmindustrie lobt die dreidimensionale Technologie als Nonplusultra und Hollywood möchte bis 2012 alle sechs Wochen einen Blockbuster im neuen Format herausbringen. Schon im Sommer kommt "Ice Age 3" komplett in 3D zu uns. Dann wird dem Kinogeher wieder die schicke Brille ausgehändigt - gratis. Allerdings ist die Eintrittskarte für solche Filme etwas teurer.
Aber man erwartet sich auch einen Quantensprung für das Filmtheater. Spätestens mit "Avatar", einem Sciencefiction-Projekt. Das Drehbuch hat James Cameron schon vor über zehn Jahren geschrieben, doch erst jetzt ist die Technologie weit genug entwickelt, um die Vision auf die Leinwand bringen zu können. Die Aufnahmen mit den Schauspielern erfolgten in Neuseeland im Studio, wo die Figuren mit Hilfe neuer digitaler Techniken in die fotorealistischen 3D-Bilder übertragen wurden.
Für den Produzenten John Landau, der mit Cameron schon "Titanic" produziert hat, gibt es kein Filmerlebnis, das intensiver ist als 3D. Bei "Titanic" sollten die visuellen Effekte den Zuschauern das Gefühl vermitteln, hautnah dabei zu sein. "Bei "Avatar" wird die Technologie eingesetzt, um das Kinopublikum in
eine andere Welt zu katapultieren", meint Landau. 3D werde für das Kino denselben Effekt haben wie einst der Stereo-Sound für die Audio-Industrie.
Das 3D-Erlebnis wird jedoch nicht nur Kinobesuchern vorbehalten bleiben. Elektronik-Hersteller scharren bereits in den Startlöchern, um den Konsumenten künftig auch digitale 3D-fähige Endgeräte wie Fernseher, Computer oder Handys zu verkaufen. Zu diesem Zweck wird an der Entwicklung mobiler Endgeräte gearbeitet, die ganz ohne Spezialbrille stereoskopische 3D-Bilder liefern.
Einige Kinobetreiber sind jedoch skeptisch: Ihnen stellt sich die Frage, ob ein ganzer Film mit dieser Technik den Zuseher nicht überfordert. Man wird sehen - spätestens am 17. Dezember 2009 bei "Avatar" weiß man ob Quantensprung oder Strohfeuer.
Nora Kanzler