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Das Team von Kleine Zeitung Digital

von riky am: 15.11.2006, 21:20 Uhr

Rund um mich herum höre ich aus den diversen Lautsprechern lautstarke Musik, die mich anscheinend in weihnachtliche Stimmung bringen soll, mir aber eher das Gruseln beibringen. Von links kommt „Jingle Bells“, von rechts „Stille Nacht, heilige Nacht“ und von irgendeinem Fenster tönt es plärrend „Leise rieselt der Schnee“. Unterbrochen wird der Horror nur durch Werbungen für die besten Lebkuchen, die schönste Weihnachtsbeleuchtung, die schillerndsten Christbaumkugeln, die schmackhaftesten Weihnachtskekse und die besinnlichsten Adventbücher. Ich gehe durch die Straßen der Stadt und sehe nur Menschen, die hektisch von einem Geschäft zum anderen eilen, Kinder, die quengelnd nach Geschenken fragen und Verkäufer, die missmutig ihrer Arbeit nachgehen. In jedem Kaufhaus, in jeder noch so kleinen Gasse und an jeder Ecke begegne ich einem verkleideten Weihnachtsmann, der mit einer Glocke bewaffnet, seinen Weihnachtsgruß leidenschaftslos, ja eher gelangweilt oder sogar grantig an die Passanten bringt und an die Kleinen finster seine in einem Plastiksack befindlichen Süßigkeiten verteilt. Blicke ich einmal in die Höhe, um mich wenigsten an einem schönen Himmel zu erfreuen, erschrecke ich über die an schon fast jeder Häuserfront in jeder nur möglichen Größe  hängenden  Weihnachtsmänner. Am Hauptplatz reiht sich ein Glühweinstand an den anderen und oft schon am frühen Nachmittag kommen mir  leicht lallend und oft auch aufdringlich die ersten Alkoholopfer entgegen. Die Schaufenster quellen über mit tausenden Dingen, die wir noch unbedingt für das Weihnachtsfest brauchen, ohne die wir auf keinen Fall einen besinnlichen Heiligen Abend verbringen können, ohne die unsere Kinder traurig ins Bett gehen müssen oder ohne die wir einfach nicht leben können. Zu Hause erwarten mich Kinder, die nur eine Frage haben, wie viel Geld sie heuer zu Weihnachten geschenkt bekommen und ob sie die Feiertage nicht doch bei ihren Freunden verbringen dürfen. Den Christbaum stelle ich alleine auf und mache mich daran, ihn zu schmücken. Im Regal suche ich verzweifelt nach meiner CD mit den Weihnachtslieder und stelle fest, dass nur mehr die Hülle da ist, worauf meine Tochter meint, dass wir die sowieso nicht brauchen. Der gemeinsame Abend ist kurz und sehr schmerzvoll für mich. Nach schnellen und lieblosen Wünschen zum Weihnachtsfest geht jeder seiner Wege und ich bleibe alleine, nachdenklich und sehr traurig zurück.

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Im ganzen Haus verbreitet sich ein betörender Duft nach Zimt, Vanille, Honig, Nelken und den seit Tagen schon in Zuckerwasser ziehenden Orangenschalen. Die ersten Kekse werden gebacken und viele kleine Hände helfen fleißig beim Ausstechen von Lebkuchen oder Formen von Kipferln. Dann wird mit Schokolade getunkt, mit Nüssen und Kaffeebohnen verziert, mit Aranzini geschmückt, mit Zuckerstreuseln bestreut und mit Heißhunger die ersten Kostbarkeiten probiert. So wandern in die seit dem letzten Feste verstauten und jetzt hervorgeholten Dosen köstliche Kreationen wie Vanillekipferl, Krokanthalbmonde, Rumwürfel, Eisenbahner, Florentiner, Anisbögerl, Windringerl, Brotlaibchen, Rohkostkugeln, Rum-Schoko-Kugeln, Walnussecken, gefüllter Lebkuchen und vieles mehr. Am Abend sitzen wir alle zusammen im Wohnzimmer und lauschen den ersten Weihnachtsliedern, den liebevoll erzählten oder vorgelesenen Geschichten über das Wunder der „Heiligen Nacht“ und trinken einen herrlich nach Apfel, Orangen und verschiedenen Gewürzen duftenden Tee. Ein Blick aus dem Fenster zeigt uns eine traumhafte Winterlandschaft, in den letzten Tagen hat der Schnee alles mit einer weißen Decke zugedeckt und die Umgebung präsentiert sich in einer Ruhe und Ausgeglichenheit. Trotz der Arbeit gibt es jeden Tag am Abend oder an den Wochenenden noch immer viel Zeit für gemeinsame Spaziergänge oder Basteleien mit den Kindern für den Christbaum. Leiser Musik wird gelauscht oder ein Blick in gutes Buch geworfen. Endlich hole ich auch wieder meine Malsachen hervor, um ein Seidentuch zu kreieren oder ein Landschaftsaquarell zu malen. Ich durchforste viele Bücher, um ein schönes Weihnachtsgedicht oder eine -geschichte für meine Weihnachtsgrüße zu finden. Dann setze ich mich gerne an meinen Tisch und schreibe lange Briefe an liebe Verwandte, Freunde und Bekannte und freue mich über so manch netten Gruß von ihnen. An den Sonntagen sitze ich mit vielen anderen in unserer Kirche, höre andächtig den Predigten  unseres Pfarrer zu und genieße das gemeinsame Erleben der Adventzeit. Einen Tag vorher wird im Wald der Christbaum ausgesucht, der dann unsere gute Stube schmücken wird. Dabei kommt es schon vor, dass zuerst eine Schneeballschlacht ausgetragen wird und erst wenn wir alle bis fast auf die Knochen nass sind der Baum unter viel Gelächter ins Haus getragen wird. Schnell ist er aufgestellt und gemeinsam machen wir uns jetzt an das Schmücken des Baumes. Liebevoll werden die roten und silbernen Kugeln hervorgeholt, die Strohsterne, die Holzbasteleien, das Lametta, die gold  und silber gefärbten Nüsse, kleine Holzäpfel und –figuren und vieles mehr auf den Baum gehängt und ganz zum Schluss kommen die roten Kerzen. Während das Abendessen vorbereitet wird und die Bratäpfel im Backrohr schmoren, wird es langsam Abend. Nach dem gemeinsamen Mahl versammeln wir uns alle vor dem Christbaum, dessen Kerzen jetzt das Zimmer in ein angenehmes und warmes Licht tauchen. Eines der Kinder liest die Weihnachtsgeschichte vor, zusammen singen wir „Stille Nacht, heilige Nacht“ und danken Gott für diesen wundervollen Tag.  Wir wünschen uns gegenseitig ein frohes Fest und übergeben kleine und liebevoll ausgesuchte Geschenke. Zum Abschluss dieses Tages wandern wir in die stille Nacht hinaus, um die Christmette zu besuchen. In der Kirche treffen wir auf  viele unserer Freunde und Verwandte. Auf dem Nachhauseweg fängt es wieder leicht zu schneien an, es ist so leise, dass wir es hören können, wie die einzelnen Schneeflocken zu Boden fallen.

 

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Es bleibt jedem selbst überlassen, wie er die Weihnachtszeit verbringen will. Ich für meinen Teil ziehe es vor, es so wie in der zweiten Geschichte zu machen. Auch wenn einen der Trubel rundherum überrennen möchte, gibt es immer Wege, es anders zu machen. Es muss nur aus unserem Herzen kommen. 

2 Kommentare   Kommentieren
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Kommentare
von ricodog am: 16.11.2006, 10:01 Uhr
ja du hast recht, bei uns läufts auch nach der zweiten geschichte ab und ich genieße das noch immer und fühl mich oftmals wie ein kind dabei. am schönsten is halt immer, wenn mein vater mit seinen enkerl das christkind suchen geht. ich kenne viele familien, bei denen einfach packerln ausgeteilt werden und dann das essen verschlungen wird. keine spannung keine atmosphäre, kein liebevolles fest sondern lästige verpflichtung. nein, nein des gibts bei uns nicht und wir geben die tradition unserem kind weiter. lg grüsse doris
Weihnachten
von jonkechristina am: 17.11.2006, 18:55 Uhr
ist für mich auch immer noch geheimnisvoll - zuhause. Es stimmt schon, in den Geschäften und Ballungszentren entkommt man dem trubel oft gar nicht. Ab und zu mag ich das geschäftige Treiben schon, wenn ich mich dann wieder zurückziehen kann, in unser heimeliges Nest, in die Geborgenheit der Familie, zu der auch die kinder einiges beitragen. Also ohne Kinder kann ich mir weihnachten noch nicht vorstellen, aber bis dahin ist es noch weit!
Einen schönen adventbeginn wünscht Dir
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