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von riky am: 26.02.2005, 07:25 Uhr

Veronika beschließt zu sterben

Habe jetzt letzte Woche "Veronika beschließt zu sterben" zu Ende gelesen. Das Thema selbst hat mich schon sehr beeindruckt, da es für mich doch zum Teil die heutige Überflussgeschellschaft wiederspiegelt. Wobei Überfluss nicht unbedingt bedeuten muss, dass man alles hat oder eben sich alles kaufen kann (können ja auch Reize etc. sein). Aber das Gefühl zu haben, man weiß bereits genau, was einem das Leben bringt bzw. noch zu bieten hat und man deswegen beschließt zu sterben, macht einen schon sehr nachdenklich. Kann es denn wirklich ein Leben geben, in dem man keine neue Impulse mehr bekommt, in dem man nichts mehr findet, wofür es sich zu leben lohnt? Erschreckend. Braucht man dann wirklich, ob fiktiv oder real, den Tod vor den Augen, um wieder Lebensmut, Lebenslust zu bekommen?

Das Thema des Buches hat mich sehr berührt und beschäftigt mich noch immer, obwohl der Schreibstil mich nicht so sehr angesprochen hat. Deshalb weiss ich auch nicht, ob ich in der nächsten Zeit, ein zweites Buch von Paulo Coelho lesen werde.

Meine persönliche Bewertung lautet deshalb auch: 3,5 von 5 möglichen Sternen.

LG Riky

Graz, am 26.2.2005

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Kommentare
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von zedern am: 09.03.2005, 10:23 Uhr
Ich habe das Buch nicht gelesen, möchte aber auf die von dir beschriebene Problematik des Überdrusses eingehen. Vor wenigen Tagen hatte in Zürich ein Theaterstück Premiere, dass den Zuschauern (ich zitiere wortgetreu dir Kritik) *quer im Halse stecken blieb*. Der Titel *Alices Reise nach Zürich*. Es geht um Sterbehilfe an einem noch jungen Menschen, einem Mädchen, das ebenfalls beschließt aus dem Leben zu scheiden, weil es einfach nicht mehr mag.

Sicher wird durch die da und dort bereits möglich gemachte Sterbehilfe hier ein Thema aufgegriffen, dass vor allem den Nebeneffekt hat, den Menschen auch in dem zu bestärken, dass er das Recht über sein Leben alleine hat und damit also tun kann was er will, und dazu gehört eben auch, es zu beenden wann man will.

Viktor Frankl hat in seinem Buch *Das Leiden am sinnlosen Leben* seine Eindrücke und Erlebnisse (auf immerhin 120 Universitäten) wieder gegeben. Immer dasselbe Bild: Im Durchschnitt 20 Jahre nach Studiumabschluss, erfolgreicher Karriere und glücklicher Partnerschaft, kommen immer mehr Menschen an den Punkt, wo sie von einem *abgründigen Gefühl tiefer Sinnlosigkeit* befallen werden. So benennen sie es und einige davon nehmen sich das Leben, andere verfallen in Depression. Schon damals hat er festgestellt, dass sich dieses Gefühl der Sinnlosigkeit immer weiter verbreitet,

Der Mensch ist an sich ja ziemlich leidensfähig, darum kämpft vielleicht ein Kranker eher ums Gesundwerden, als jemand um Lebenssinn, der keine Aufgabe sieht für sich. Auf jeden Fall beschäftigt mich dieses Thema auch sehr. Da du dich auch für Literatur sehr interessierst, hab ich noch eine kleine Anekdote für dich: Der aus Ungarn stammende Schriftsteller Stephen Vizinczey kam 1955 nach Montreal, ohne Geld und mit grad 50 englischen Worten an Sprachschatz und es gelang ihm einfach nicht, in dieser fremden Stadt Fuß zu fassen. Da kletterte er in seiner verzweifelten Existenznot auf einen Wolkenkratzer und wollte sich da runterstürzen. Seine Angst, sich das Rückgrat zu brechen wurde aber plötzlich stärker als die Angst vor dem Tod. Da hat er sich da oben geschworen, die Sprache zu lernen und ein guter englischer Schriftsteller zu werden, was ihm auch gelungen ist. Er hat sich zum Weltenbürger entwickelt und lebt heute in London...
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