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von RomanHuber am: 11.08.2010, 14:25 Uhr

 

Julius Meinl V. findet keine Ruhe. Vor vier Jahren noch als Parade-Banker gefeiert, würde ihm heute wohl niemand mehr sein Geld anvertrauen. Das taten Tausende Österreicher, als der Nachfahre aus der berühmten Kaffeeröster-Familie damit warb, dass eine Gesellschaft mit seinem Namen viel bessere Zinsen böte, als das in der Werbung zerschmetterte Sparschwein – der klingende Name des Unternehmens: Meinl European Land (MEL).

 

Im Jahr 2007 drehte sich der Wind, massive Zertifikat-Rückkäufe brachten die MEL ins Trudeln. Nach einem massiven Wertverlust, hieß es plötzlich, dass diese Gesellschaft trotz Namensgleichheit nichts mit der Meinl Bank und schon gar nichts mit Julius Meinl zu tun habe. Man habe dem Unternehmen lediglich „Dienstleistungen“ verkauft.

 

So weit so gut. Einige Gerichtsverfahren später steht nun fest, dass die Meinl Bank und ihr Chef doch irgendwie etwas mit der Affäre rund um die 2008 in Atrium Real Estate unbenannte Firma zu tun haben. Die Bank willigte in einen Vergleich ein. 5.500 Anleger bekamen 12 Millionen Euro. Und da im August die Verjährungsfrist eintritt, sollte es das gewesen sein, dachten die Manager des Finanzinstitutes.

 

Doch noch rechtzeitig vor Ende der Frist folgt der nächste Schlag: Zwei Milliarden verlangen die neuen Eigentümer der Atrium Real Estate mittels Klage von Julius Meinl, der Meinl Bank und den ehemaligen Manager der MEL. Der Betrag soll Verluste und Schäden ausgleichen, die durch die damalige Geschäftsführung verursacht worden sein sollen. Natürlich gilt für alle Beschuldigten, auch für Julius Meinl V., die Unschuldsvermutung.

 

Was genau Atrium mit der Klage bezweckt, entzieht sich allerdings meinem Verständnis. Denn schließlich haben Citi Property Investors und Gazit Globe Limited die Gesellschaft gekauft, als sie am Boden lag. Gazit übernahm die Führung des Unternehmens am 1. August 2008.

 

Man könnte natürlich anmerken, dass das Unternehmen 2008 und 2009 insgesamt rund 1,3 Milliarden Euro verloren hat. Allerdings dürfte ein Teil dieses Verlustes auf Abwertungen im Zuge der Finanzkrise zurückzuführen sein. Außerdem hatte Atrium im Dezember noch immer gut 610 Millionen Euro in der Kasse. Im ersten Quartal 2010 hat das Unternehmen sogar Gewinne geschrieben. Wie die geforderten zwei Milliarden Euro zu erklären sind, ist daher durchaus zu hinterfragen.

 

Am ehesten erkenne ich in der Klage einen Versuch, aus der Meinl Bank noch ein paar Millionen herauszupressen. Der Prozess könnte sich auf sieben Jahre hinziehen und den Ruf des Finanzinstitutes weiter schädigen. Einen Vergleich anzustreben wäre für die Bank daher sinnvoll. Atrium kann in diesem Fall also fast nur gewinnen. Auch ein zweiter Aspekt muss beachtetet werden. Denn dank der Klage ist die nun gesundete Atrium Real Estate wieder im Gerede. Der Marketing-Wert dieses Verfahrens dürfte daher auch beachtlich sein.

 

 

Roman Huber
atrium    bank    klage    meinl
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